Dolmenschen

Dieser charmante Schreibfehler erreichte mich kürzlich in der Betreffzeile einer E-Mail. Eine sehr schöne Alternative zum aufwändigeren „DolmetscherInnen“ oder gar „Dolmetscherinnen und Dolmetscher“. Zumal das Binnen-I nicht jedermanns (und auch nicht jeder Fraus) Sache und der Verweis auf „geschlechtsneutrale Verwendung männlicher Formen“ schon in sich nicht stimmig ist.

Ein guter Anlass außerdem, den Begriff „Menschen“ vor dem Hintergrund der Notizentechnik zu betrachten:

Der Mensch ist häufig Gegenstand von Bildzeichen, die auf Verkehrsschildern, Wegweisern usw. verwendet werden. Unser mehr oder weniger kugelförmiger Kopf wird dabei meistens mehr oder weniger kreisförmig dargestellt. Das funktioniert auch bei vereinfachten Strichmenschen, die wir beim Konsekutivdolmetschen als Notizzeichen verwenden können. Eine ganze Reihe solcher Speednotes haben wir bereits bei der Vorstellung des Zeitstrahls gesehen:

Wiege-bis-Bahre

 

Wenn wir den „Kopf“ als wichtigstes Erkennungszeichen des Menschen annehmen, lässt sich mit einem Kreis fast jedes Zeichen, das für eine Sache oder Organisation steht, zu einem Zeichen für eine damit verbundene Person verwenden. So wird aus dem „Flug

abflug

der „Fluggast, Passagier“:

Fluggast

Und so kann dann ein „Geburtstagskind“ aussehen:

Geburtstagskind

 

Und wie sieht jetzt die Speednote aus für „Menschen, die dolmetschen“? Fangen wir mit dem an, womit sich DolmetscherInnen vorrangig beschäftigen – gesprochene Sprache. Diese können wir mit einem geöffneten Mund verbildlichen, der in der vereinfachten Seitenansicht so aussehen kann:

Rede

Wenn wir dieses Bildzeichen für „Sprache, Rede“ umdrehen , erhalten wir ein Zeichen für „Gegenrede, Antwort“:

Gegenrede

Stellen wir die beiden Speednotes einander gegenüber, bilden sie gemeinsam

Dialog

ein Notizzeichen für „Gespräch, Dialog“.

Und beim Dolmetschen findet das Gespräch durch die Dolmenschen statt, denn wir arbeiten praktisch zwischen den Sprachen:

Dolmensch

Sieht ein bisschen so aus, als würde der Dolmensch von zwei Seiten gleichzeitig angeschrien – could be farther from the truth!

Neustart

Nicht nur am Anfang, auch in der Mitte eines Monats gibt es häufig Stichtage: Mal sind es Wahlen, mal Fälligkeiten für Steuern. Und auch immer wieder erfreuliche Dinge, wie an diesem Wochenende:

Da wir uns gerade erst mit Bildzeichen für „Wasser“ beschäftigt haben und die Temperaturen endlich der Jahreszeit entsprechen, folgt hier schon fast zwingend die Speednote

zur Eröffnung der Freibadsaison. Hinein!

Wasserzeichen

Manche Bildzeichen werden irgendwann alt, vielleicht sogar obsolet, weil es das, was sie darstellen, kaum noch gibt – wie Telefone mit Hörer.

Andere sind alterslos, weil sie etwas abbilden, ohne das wir nicht existieren können. Die Tausende Jahre alte Hieroglyphe für „Wasser“

sieht nur wenig anders aus als die Schlangenlinien, wie sie z. B. in olympischen Piktogrammen für Wassersportarten zu finden sind.

Verwenden wir als Speednote für „Wasser“ eine solche Linie,

haben wir ein Bildzeichen, das sich sehr gut kombinieren lässt: In einer Wanne haben wir „Badewasser“

und in einem Glas „Trinkwasser“.

 

An dieser Stelle könnte man verschiedenste Diskussionen anschließen – ist das Glas halb voll oder halb leer? Kann etwas überhaupt „halb leer“ sein, wo Leere doch Nichts gleichkommt, und wie will man das Nichts halbieren? Kann ein Glas jemals leer sein, ob halb oder ganz, wenn doch immer Luft drin ist? Ist Luft nicht wichtiger als Wasser?

Allein über die Frage, ob – und warum! – man eher die leere Hälfte betrachtet, kann mensch viele Worte machen. Oder eine Speednote:

 

Und zu guter Letzt ein weiteres Beispiel dafür, dass die Speednotes ihren Namen verdienen, denn komplexe Begriffe wie „grundsätzlich positive Lebenseinstellung“ können wir ganz schnell so darstellen:

 

Scharfe Ostern

Peinliche Schreibfehler geschehen nicht nur im Ausland!

Osterschaf

Kleinlich? Oft sind es die kleinen Fehler, die zu großen Missverständnissen führen. Schließlich ist der Unterschied zwischen „scharf“ und „Schaf“ noch größer als der zwischen „lahm“ und „Lamm“. Auf eine nähere Betrachtung der Unterschiede zwischen „lind“ und „Lindt“ soll hier aus markenrechtlichen Gründen verzichtet werden.

Ein paar Buchstaben mehr oder weniger, und schon wird ein völlig anderer Inhalt bezeichnet. Hier sind Bildzeichen wie unsere Speednotes klar im Vorteil! Auch wenn wir beim Dolmetschen nicht allzu oft ein Zeichen für „Schaf“ brauchen – manchmal darf die Beschäftigung mit Notizentechnik auch einfach Spaß machen. In diesem Sinne:

Schafe Ostern!

Schaf

Rekursionsexkurs

Der Lauscher an der Wand hört seine eig’ne Schand, sagt man – soll heißen, wer etwas Schändliches tut (wie etwa Andere abhören), wird dabei mit seiner eigenen Schändlichkeit konfrontiert. Ähnlich wie Faschisten, die Anderen Faschismus vorwerfen. Ein bisschen wie Ringelnatz‘ Bandwurm, über den „Doktor Schmidt [konstatierte], nachdem er den Leib ihm aufgeschnitten, dass dieser Wurm an Würmern litt, die wiederum an Würmern litten.“

Rekursiv nennt man das auch, wörtlich „zurücklaufend“, abstrakt eine sich wiederholende Anwendung desselben Prinzips. Bekannte Beispiele sind die Puppen in der Puppe oder M. C. Eschers gezeichnete, sich gegenseitig Zeichnenden Hände.

In den darstellenden Künsten, zu denen im weitesten Sinne auch die Speednotes zu zählen sind, nennt man eine Figur, die sich selbst enthält, auch „mise en abyme“. Wörtlich aus dem Französischen: „in den Abgrund (= ins Bodenlose) geworfen“. Geprägt also von Unendlichkeit, die darin liegt, dass eine Darstellung, die sich selbst enthält, ewige Fortsetzung bedeutet: Wenn ein Flaschenetikett die Flasche selbst zeigt, zeigt es natürlich eine Flasche mit einem Etikett mit der Flasche darauf (damit sind wir schon bei drei Flaschen), und so geht es immer weiter.

Wie in dem Lied vom Hund, der in die Küche läuft und ein Ei stiehlt, erschlagen wird und schließlich einen Grabstein erhält, auf dem die Geschichte steht vom Hund, der in die Küche läuft …..

Manchmal entsteht ein solcher Effekt auch erst nach und nach, wenn ein Bild durch ein neues Bild teilweise überdeckt und dadurch Teil des neuen wird. Wie bei den kürzlich vorgestellten „Liebesschlössern“ auf der Kölner Hohenzollernbrücke. Mit ihren Gravuren zeigen sie Graffiti im eigentlichen Sinne, denn das bedeutet „Einritzungen“ nach dem italienischen „graffiare“. (Übrigens kein modernes Phänomen, im Gegenteil – schon die Wände Pompejis waren mit tausenden Inschriften bedeckt, nicht unbedingt niveauvoller als heutige Toilettentüren.) Die gravierten Schlösser hängen hier so dicht, dass sie eine geschlossene Fläche bilden, die wiederum als Hintergrund für neue Graffiti genutzt wird:

Aber so schön bunt das auch alles ist, bei unserer Notizentechnik haben wir keine Zeit, Graffito auf Graffiti zu sprühen und zwischendurch zu warten, bis die Farbe trocken ist. Wie sieht also eine Speednote für „Rekursion“ aus? Wie können wir schnell notieren, dass sich „die Katze in den Schwanz beißt“? Vielleicht so

und dann vereinfacht so

 

Dieses Bildzeichen hat den großen Vorteil, eine freie Fläche zu bieten, die wir füllen können. So lässt sich das Zeichen mit anderen kombinieren, um zum Beispiel

satirische Rekursion“ zu notieren. Und mit dieser Speednote für „rekursive Rekursion“

schließt sich der Kreis für heute.

Sicherheitsliebe

Kürzlich ging ich zu Fuß über die Kölner Hohenzollernbrücke und konnte mich schon nach wenigen Schritten nicht des unguten Gefühls erwehren, der Gehweg sei stark abschüssig – und zwar Richtung Wasser. Prompt fiel mein Blick auf die zahllosen am Geländer befestigten „Liebesschlösser“, die zwar vermutlich (noch) nicht zum Einsturz führen können, durch ihre schiere Masse aber dennoch das Vertrauen in die Tragkraft der Brücke ins Wanken bringen.

verschlossenes-herz

Erstaunlich, dass gerade dieser Anblick zu Unsicherheit führt! Da werden Herzen angekettet, es gibt Schlösser in Herzform und Herzen, die auf Schlösser graviert sind. Wem das noch nicht genügt, der nietet gleich eine ganze Platte mit Inschrift an oder kettet Schlösser mit einem weiteren Schloss fest. Ein Inbegriff der Sicherheit, sollte man doch meinen … jedenfalls eignet sich das Vorhängeschloss sehr gut als Vorlage (vgl. Zwischen den Zeichen, S. 23 f.),

vorhaengeschloss

wenn wir eine Speednote für „Sicherheit, Absichern“ suchen, die in vereinfachter Form so aussehen kann:

sicherheitssymbol

 

Das Schloss ist als Bildzeichen für die Notizentechnik ziemlich nützlich, denn beim Dolmetschen internationaler Gespräche spielt Sicherheit häufig eine Rolle, sei es im politischen, technischen oder finanziellen Bereich.

Aber ein Schloss als Symbol für eine Liebesbeziehung? Denn darum geht es ja, das Schloss wird mit beiden Namen graviert, oft noch mit einem für das Paar wichtigen Datum, dann wird es angebracht und abgeschlossen. Und der Schlüssel weggeworfen. Um die Liebe abzusichern? Die Herzen an die Kette zu legen, die Gefühle festzuhalten?

Was auch immer Paare dabei denken oder hoffen, für uns ergeben sich ein paar schöne Kombinationsmöglichkeiten für neue Speednotes. Zum Beispiel könnte

dauerhafte-liebe-alternativ

als Zeichen für „feste Beziehung“ dienen,

trennung

für „offene Beziehung“ stehen und

 seitensprung

 

für „Seitensprung“ oder „außereheliches Verhältnis“.

Wollen wir allerdings ganz einfach „Liebe, glückliche Partnerschaft“ notieren, dann genügt auch ein altbewährtes Bildzeichen:

jetzige-Liebe

Natürlich in größerem Maßstab, denn ohne das Schloss hat das Herz mehr Platz!

German for runways

Nein, kein Tippfehler, es geht tatsächlich um „runways“, Englisch für „Start- und Landebahn“. Ja, ich weiß, bei Otto Waalkes hieß es damals „English for Runaways“ („Englisch für Fortgeschrittene“) als Beispiel für schlechte Wort-für-Wort-Übersetzungen. Wobei „runaway“ ein Ausdruck für „Ausreißer“ ist und auch „durchgebrannt, entlaufen“ heißen kann, nicht aber „fortgeschritten“. Aber wen kümmert das schon? Wer kein oder nur wenig Englisch kann, merkt es sowieso nicht. Wer die englische Sprache gut beherrscht, weiß dann auch, dass „to run away“ für „davonlaufen“ steht, und kann den Otto’schen (oder heißt es ottoesken?) Humor noch fortführen mit der Rückübersetzung „Englisch zum Weglaufen“. Oder so ähnlich.

Aber nicht in jeder Branche ist es lustig, wenn Deutsche Englisch sprechen und dabei Fehler machen. In der Politik gilt es als so peinlich, dass Heinrich Lübke von einem Spiegel-Korrespondenten angedichtet wurde, er habe „gleich geht es los“ mit „equal goes it loose“ ausdrücken wollen. Günther Oettinger wurde mit seinen englischen Reden zum Internet-Videostar, und Guido Westerwelle verdiente sich den Beinamen „Westerwave“.

Schlechtes Englisch ist peinlich, und im Umkehrschluss ist gutes Englisch eine Selbstverständlichkeit. Die Tatsache, dass so viele Menschen Englisch können mit englische Wörter kennen verwechseln, ist für uns professionelle DolmetscherInnen ausgesprochen frustrierend.

Steigen Sie in ein Taxi und sagen als Erstes: „Ich habe auch einen Führerschein!“? Natürlich nicht. Aber eine Dolmetscherin zu begrüßen mit „ich könnte das auch selbst auf Englisch machen“, ist an der Tagesordnung. Immer wieder müssen wir uns anhören, dass das, was wir da machen, ja eigentlich JedeR kann, bloß haben die Key People im Business natürlich Wichtigeres zu tun. Aber Englisch können die alle, klar, ist ja ganz easy. Spätestens nach dem Business English Coaching, wenn sie sich gemerkt haben, dass das englische „actual“ nicht dem deutschen „aktuell“ entspricht, werden sie zu vermeintlichen Helden der internationalen Kommunikation. Never mind, dass kaum ein Executive weiß, wofür die Ausdrücke „roundabout“ oder „public viewing“ im Englischen stehen. Sie kennen Wörter, da muss man doch keine Sprache lernen. Ist auch gar nicht mit dem Mission Statement des Unternehmens zu vereinbaren, da ist Efficiency schließlich eine der Top Priorities.

Und es gibt ja auch genügend Tools zur Effizienzsteigerung – oft kostenlos verfügbar, im Gegensatz zu den Skills der Humanressourcen. Aber manchmal sollte man doch besser jemanden fragen, der sich damit auskennt, bevor das effizient erzielte Ergebnis einem versehentlich abgesegneten Entwurf gleicht. Wie auf diesem Schild, fotografiert an einem spanischen Flughafen, der pro Jahr über 12 Millionen Fluggäste abfertigt:

flugsteige-tuere

Peinlich oder lustig? Auf jeden Fall kommen wir damit zurück zum „runway“, denn dorthin führt der Flugsteig. Und das Flugsteig-Piktogramm

flugsteig

 

ist ein schönes Beispiel dafür, wie ein Bildzeichen mit einer horizontalen Linie darunter erweitert werden kann. Der Flugsteig ist der Ort für den Abflug, der Strich unten steht für den (Stand)Ort, die Stelle, an der etwas steht oder stattfindet. Nach diesem Prinzip können wir fast alle Bildzeichen zu neuen Speednotes erweitern. Dann wird die „Industrie“

industrie

zum „Industriestandort“

industriestandort

 

 

Aus dem „Geburtstag

1-geburtstag

machen wir den „Geburtsort“

geburtsort

 

Ein Zeichen für „Spannung“

blitzschnell

 

wird das „Spannungsfeld“

spannungsfeld

 

 

Und hier die Speednote zum Wochenende:

spannungsfrei

 

Gute Entspannung

und holdrio!

RRRING

Die Pause ist rum, und es geht weiter: Wir waren beim Thema Urlaub stehengeblieben. Ein weites Feld, natürlich, und oft scheiden sich hier die Geister: Sangría oder Jagertee? Strand oder Pool? Weißer oder schwarzer Sand? Diese Lebensfragen sind entscheidend für heutige Paarbeziehungen, vom Ausfüllen der digitalen Fragebögen in Online-Dating-Portalen bis zur Planung der Hochzeitsreise.

Damit verglichen sind Dolmetschnotizen eine sehr entspannte Angelegenheit! Wir können sie einfach mit Stift und Papier erschaffen, abwandeln und erweitern, wie es uns gefällt – ob Skiferien

skiurlaub

oder Strandurlaub

strandurlaub

Speednotes machen alles mit, sogar Super-Last-Minute

super-last-minute

Pausenzeichen

In der Schule war es ein Gong oder eine Klingel, wodurch die heißersehnte Pause – oder ihr weniger populäres Ende – angekündigt wurde. Bei unseren Notizen sind akustische Signale keine Option, wir arbeiten auf unserem Notizblock mit von Hand darstellbaren und visuell wahrnehmbaren Zeichen.

Aber wie zeichnet man eine Pausenklingel? In Comics werden derartige Signale gerne lautmalerisch, zum Beispiel mit „RRRING“ dargestellt, aber für eine Speednote sind das natürlich schon zu viele Zeichen.

Fangen wir also wie gewohnt am Anfang an: Was ist eine Pause? Eine Unterbrechung eines Ablaufs, üblicherweise beim Lernen, am Schreibtisch, bei schweißtreibenden Tätigkeiten – kurz gesagt, bei der Arbeit. Hierfür haben wir bereits eine Auswahl an Speednotes, zum Beispiel

Arbeitsagentur

In Kombination mit einer vereinfachten Form unseres Zeitstrahls

arbeitszeit

haben wir somit ein Zeichen für den Begriff „Arbeitszeit“. Und „Pause“ bezeichnet eine Unterbrechung dieser Zeit, also

arbeitspause

Natürlich gibt es Pausen unterschiedlicher Länge (beim Thema Pausen herrscht ausnahmsweise Einigkeit darüber, dass die Länge durchaus eine Rolle spielt), und wenn das obenstehende Bildzeichen für die „Mittagspause“ steht, können wir eine kurze Arbeitsunterbrechung so darstellen:

kurze-arbeitsunterbrechung

Und so

sabbatjahr

sieht dann ein ganzes Sabbatjahr aus.

Und irgendwo zwischen der 5-Minuten-Pause und dem Sabbatjahr liegt die beliebteste aller Pausen: Urlaub!

urlaub

Mehr zu diesem Thema nach der Pause – RRRING

 

Speed statt Tweet

Noch ist Trump nicht im Amt, aber seine Politik hat schon eine neue Wortschöpfung hervorgebracht: „Twitter presidency“, Englisch für „Twitter-Präsidentschaft“. Twitter ist ein Kurznachrichtendienst, über den sich Medien und bekannte Persönlichkeiten äußern. Eine so verbreitete Kurznachricht, „Tweet“ genannt, darf maximal 140 Zeichen lang sein.

Moment mal, 140 Zeichen? Daran sieht man doch, dass Kürze relativ ist. Im Vergleich mit Speednotes sind Tweets relativ lang (was sie oft nicht daran hindert, relativ inhaltsleer zu sein). Je länger eine Nachricht bzw. je größer die Anzahl der Zeichen, desto mehr Zeit nimmt auch das Schreiben in Anspruch. Da es allerdings sowohl beim Dolmetschen als auch beim Notieren auf Schnelligkeit ankommt, versuchen wir immer mit möglichst wenig Zeichen auszukommen – und diese auch noch schnell abbilden und lesen zu können. Damit kommen wir schnell zur Speednote des Tages: Die Schnelligkeit verdient angesichts ihrer Bedeutung ein eigenes Notizzeichen.

Wem nicht sofort ein passendes Zeichen einfällt, dem helfen Assoziationen – was gehört zu diesem Begriffsfeld? Praktisch sind hierbei oft bildhafte Redewendungen, etwa „in Windeseile“, „mit einem Affenzahn“ oder „schnell wie der Blitz“.

blitzschnell

Natürlich betrachten wir auch das Gegenteil des gesuchten Begriffs und kommen dabei auf die „lahme Ente“ und das „Schneckentempo“.

schneckentempo

Manchmal gibt es auch schon geeignete Vorbilder, wie die Bildzeichen an Geschwindigkeitsreglern, zum Beispiel bei Aufsitzmähern. Da wird oft die niedrigste Geschwindigkeit mit einer Schildkröte, die höchste mit einem Hasen illustriert. Man könnte auch einfach ein ganzes System übernehmen, bei dem Kurzworte für unterschiedliche Schnelligkeiten stehen – nehmen wir die Deutsche Bahn als Beispiel, dann könnten wir ICE für „rasant“, IC für „schnell“, RE für „mittelschnell“ und RB für „langsam“ verwenden. Aber wer häufiger die Dienste der Deutschen Bahn in Anspruch zu nehmen versucht und schon bei zahlreichen Stellwerkschäden, diffusen technischen Störungen und sonstigen Verspätungsbegründungen stundenlang auf den ironischen Titel der Zeitschrift „mobil“ gestarrt hat, weiß genau: ICE steht nur manchmal für Hochgeschwindigkeit, fast immer aber für „geänderte Wagenreihung“ und ab und zu für „Zug fällt aus“. Da scheint mir die Tierwelt doch deutlich zuverlässiger als Inspirationsquelle für eine Schnelligkeits-Speednote:

schnelligkeit