MEAN MACHINE

Imagine „in the meantime“ was machine translated as if „in the mean time“, resulting in the German „in der gemeinen Zeit“, meaning „during the nasty times“.

Nasty times indeed, when the people relying on that kind of „translation“ are politicians, HR managers, engineers, and otherwise in charge of decisions other humans depend on.

Als Englischdolmetscherin bin ich natürlich Kummer gewöhnt, und Deutsche, die glauben, sie könnten ihre Vorträge „besser“ auf Englisch halten, weil sie „das immer so machen“, gehören zum Arbeitsalltag. Aber jeder Unsinn ist ja noch steigerungsfähig, in der Fremdsprachenbranche neuerdings vor allem dank maschineller Übersetzungen.

So habe ich kürzlich bei der Vorbereitung auf einen Dolmetscheinsatz mehrfach hinschauen müssen, denn auf einer der Präsentationsfolien stand:

„… with in between more than 3000 …“

Na, fällt der Groschen?

Tatsächlich war hier „… mit inzwischen über 3000 …“ gemeint. Nicht, dass das im Deutschen besonders schön formuliert wäre …

Um unseren Speednotes ein solches Schicksal zu ersparen, erstellen wir sie einfach weiterhin manuell statt maschinell, was nicht heißt, dass es keine Maschinen-Speednote geben soll!

Frequently, machine translations are nothing but word-by-word substitutions without any understanding of – well, anything. I’d LOL if it wasn’t so sad … Let’s instead do a speednote for „machine“:

Typically, machines – vending or washing ones, printers or computers – have a box-like shape.

 

Ob Spül- oder Waschmaschine, Süßigkeitenautomat oder Drucker, Maschinen sind üblicherweise kastenförmig.

Der Kasten als offenes Zeichen bietet viele Kombinationsmöglichkeiten (vgl. „Zwischen den Zeichen“ S. 54 ff.), denn wir können weitere Zeichen hineinsetzen.

Pictorials like this have the advantage of offering free space where other signs can be put in (see „Between the Signs„, p. 57).

Durch Kombination ergeben sich dann spezielle Bildzeichen wie dieses für „Reisswolf, Aktenvernichter“ – vielleicht ganz praktisch, wenn mal versehentlich Maschinenübersetzungen ausgedruckt wurden:

shredder

 

Eg, get a speednote for your shredder (which might be useful in case someone accidentally printed a machine translation)!

Autofrei und Spaß dabei

E-Mobilität ist so populär, dass mittlerweile sogar das (Zwei-)Rad neu erfunden wurde:

E-Roller heißt die neueste Seuche, die nach SUVs und Pokemon Go die Innenstädte heimsucht. Im Sommer erst genehmigt, sollen sie Emissionen verringern und Platznot lindern. Mit Betonung auf „sollen“ – die Praxis sieht erschreckend anders aus, denn das Ganze funktioniert bisher nur mit Hilfe von (Diesel-)Transportern, die die Mietroller jeden Abend zu Wartungszwecken einsammeln. Was die Platznot betrifft, sind die Städte offenbar ähnlich gut vorbereitet wie die KVB beim ersten Schneefall: Die abgestellten (naja, oft eher fallengelassenen) „Spaßgefährte“ stehen uns neuerdings auf Bürgersteigen, vor Haustüren und sogar mitten auf Bahnsteigen im Weg.

Irgendwie erinnert mich das ganze Konzept an die Meldung, Plastiktrinkhalme und Wattestäbchen sollten abgeschafft werden, „um die Mengen an Plastikmüll in den Meeren zu reduzieren“.

Vielleicht bin ich da naiv, aber wie wäre es, die Dinger einfach nicht ins Meer zu schmeißen? Oder, wenn man Mobilität und Umweltschutz kombinieren will, warum nicht einfach Fahrrad fahren? Wie so oft hilft ein Blick in den Duden meinem Verständnis auf die Sprünge: Als Bedeutung von „rollen“ steht hier „sich unter fortwährendem Drehen um sich selbst (fort)bewegen“.

Ist ja in Ordnung, einfach mal Spaß haben zu wollen, meinetwegen auch auf dem E-Scooter. Aber das als Umweltschutzmaßnahme verkaufen zu wollen, ist doch fast peinlicher als der Einstieg ins Dosenpfand. Wobei jenes letztlich doch das Wegwerfen leerer Dosen verringert hat, nachdem pfandfreie Dosen früher ja auch dem Prinzip „nach Gebrauch fallenlassen“ unterlagen. Vielleicht brauchen wir bald ein Rollerpfand? Die Zeit wird es zeigen …

Wir begnügen uns für heute mit einer neuen Speednote und fangen einfach nochmal beim Rad an:

Das Rad dient dem Transport, zum Beispiel mit einem Wagen:

 

Nach Vereinfachung erhalten wir dann dieses Bildzeichen

 

für „Transport(-mittel), Mobilität“.

Und hier kommt sie angerollt, die Spaßgefährt-Speednote:

VARiable

Like it or not, soccer has introduced another additional referee, the video assistant referee, or

VAR

A three-letter word, VAR may seem short enough for speednoting purposes. However, to print these three letters, you’ll need to put pen to paper not only 3, but 5 times. Real speednotes can do better than that!

Er ist da und wird wohl auch bleiben, der Videoschiedsrichter. Besonders beliebt ist er nicht, manchmal auch nicht besonders zuverlässig. Aber eins ist er ab heute auf jeden Fall: Gegenstand einer Speednote! Um sie zu entwickeln, beginnen wir wie immer mit dem Kernelement, dem „Schiedsrichter“. Was macht ein solcher, wofür ist er zuständig?

To develop a suitable pictorial sign, let’s first look at what refereeing is all about. What does a referee (or arbitrator, even) do? Ideally, he or she will make just decisions in cases of conflict, thus delivering justice – typically represented by balance:

 

Ausgewogene Urteile und gut abgewogene Entscheidungen – kurz, Gerechtigkeit!

So, we do have a sign for balance, now all we need to do is add a circle as „head“ (see „Between the Signs„, p. 46) to depict the person who does the balancing, the referee:

Mit einem Kreis als Kopfzeichen (vgl. „Zwischen den Zeichen„, S. 44) wird die „Gerechtigkeit, Ausgewogenheit“ zu einem Bildzeichen für die Person, die (hoffentlich) für Gerechtigkeit sorgt – den Schiri!

Jetzt ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Videoschiri, denn ein Notizzeichen für „Video“ haben wir bereits, und dies kombinieren wir jetzt wie folgt:

Replace the ‚head‘ with the pictorial sign for video, which we introduced only recently, and get a VAR pictorial – as easy as that, thanks to our speednotes being so VARiable!

 

Fly me to the moon …

Isn’t it funny how some things are easier to recognize when only part of them is visible? Well, strictly speaking, we only ever see parts of things, or rather sides – always the one that’s turned towards us. In the case of the moon, it is always the same one, which is why the other one is called the „dark side“ of the moon.

moon

 

Far from being afraid of the dark, we humans tend to explore what we cannot see – the farther away it is, the more we are ready to invest to get there –

firsthumanonthemoon

– and preferably be the first to do so.

Once the moon landing or whatever other mission has been achieved, being first is no longer an option. What next? Well, it may come as a surprise to some, but life is not always about being earlier, better, faster, or some other comparative. Just „being“ can be quite enough. Or being 50 – congratulations!

 

50yearsmoonlanding

 

 

 

Rette mich!

Dieser Nena-Titel aus den Achtzigern ist grammatikalisch völlig korrekt, denn man kann jemanden (Achtung: Akkusativobjekt!) retten. Allerdings kann man niemanden folgen, weshalb die Wendung „gefolgt von“ ein trauriger Fall von schlechtem Deutsch ist. Derzeit noch zu erkennen daran, dass uns Titel wie „Folge mich!“ erspart bleiben. Obwohl sich das auch irgendwie nice anhören würde.

Sprache lebt eben, und es ist ja auch völlig in Ordnung, dass sie sich ebenso weiterentwickelt wie die Menschen, die sie benutzen.

An die „Gefolgten“ habe ich mich gewöhnt wie an die Falschfahrer, die mir von Zeit zu Zeit entgegenkommen, auch wenn ich noch mit dem viel abenteuerlicheren Ausdruck „Geisterfahrer“ aufgewachsen bin. Deutsche Grammatik ist ja auch mega kompliziert, aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Ist beispielsweise der Akkusativ überhaupt noch zu retten? Schließlich kommen Dolmetschnotizen auch ohne derartige Komplikationen aus. Verkürzen, was geht, weglassen, was stört, und ignorieren, was ich nicht verstehe – Speednotes sind quasi die Jugendsprache der Bildzeichen! So wird aus „Auf jeden Fall!“ das zeitsparende „auf jeden“, das ebenso klar und deutlich sagt, was gemeint ist.

Kürzlich musste ich an einem nicht weiter erwähnenswerten deutschen Hauptbahnhof das Gespräch zweier Jugendlicher mitanhören. Eine von ihnen gab den bemerkenswerten Satz „Ischwör kannich nich verstehn!“ von sich, und seither hege ich ernste Zweifel, ob wir überhaupt noch so etwas wie Grammatik brauchen.

Never mind this text if you can’t read it, it’s just a long boring story about German grammar being made redundant for the sake of coolness and/or efficiency. Suffice it to say that young people are naturals for the kind of language that does for words what speednotes do for pictograms. Like writing „R U“ instead of wasting a lot of time and energy on the full „are you“. Anyway, here’s your speednote for today: Based on a well-known hand gesture, we can use this pictorial sign

in a simplified form as a speednote for „promise, swear, take an oath, vow“. That’s speednoting 4U – I swear!

Diese Vereinfachung einer Schwurhand ist auf jeden unsere Speednote des Tages. Ein Zeichen für „Versprechen, Zusicherung, Schwur, Gewissheit“ ganz im Sinne der Generation, die uns täglich vorlebt, was Speedtalking ist – und die neuen Kurzformen je nach Belieben auch wieder verlängert, weil es einfach krasser klingt. So hörte ich gerade erst, wieder dank einer ÖPNV-induzierten Begegnung, den Ausdruck: „Auf jedensten!“

Seufz, ich schwör’.

video ergo sum

Video

ist Lateinisch und heißt „Ich sehe.“

is Latin for „I see“.

 

is a speednote for „eye, see“.

dient als Speednote für „Auge, sehen“. Oder auch für „Blickwinkel, Perspektive, Sichtweise“ – die man ändern kann (vgl. „Zwischen den Zeichen“ S. 37 und 73):

It’s also a flexible sign for „viewpoint, perspective, angle“ (see „Between the Signs„, p. 39 and p. 74).

 

Video

also stands for ‚moving visual media‘.

– ebenso wie „Film“ – bezeichnet auch ‚bewegte Bilder‘. Um hierfür ein Notizzeichen zu entwickeln, beginnen wir mit dem „Bild“:

Dann lassen wir das Bild sich bewegen,

und so entsteht dann der Film – bzw. das Bildzeichen für „Bewegtbild, Video, Film“:

Starting with an icon for „picture“, we let the pictures move – to arrive at this pictorial for „moving pictures, movie, film“.

 

Und jetzt? haben wir die perfekte Überleitung zum ersten Video über Speednotes!

And why would we need a video speednote? To announce the first video about speednotes:

Schluss mit Fasten

Germans may call it having an „early piece“, but that doesn’t really cover what we do when we have our first meal of the day: We break fast, i.e. interrupt the nightly fasting.

Während wir im Deutschen „frühstücken“, also früh ein Stück – beispielsweise Brot – essen, wird die erste Mahlzeit des Tages in anderen Sprachen wörtlich als Beenden des nächtlichen Fastens bezeichnet, mit „breakfast“ im Englischen oder „desayuno“ im Spanischen, ebenso wie dem französischen „(petit) dejeuner“.

Ein typisches Phänomen beim Übersetzen von Wortsprachen: Derselbe Inhalt wird genau umgekehrt bezeichnet. Die einen reden vom Essen, die anderen vom Fastenbrechen. In manchen Kulturkreisen meldet man sich am Telefon mit der Aufforderung „Sprechen Sie!“, in anderen mit dem Hinweis „Ich höre!“.

Typically, different cultures and languages often use different extremes to describe the very same thing or situation. Like answering the phone in Spanish with the instruction „talk to me“, whereas a Russian might pick up and say „I’m listening“.

Which is all very well and nice to know, but far from what is relevant for note-taking purposes – here, we focus on content.

Interessant zu wissen, aber für Dolmetschnotizen ist genau das gar nicht wichtig. Bildsprachlich notieren wir das Gemeinte, Inhalte oder Ideen, und sind damit unabhängig von Wortsprachen.

Zum Osterwochenende also gute Wünsche ohne Worte:

In which words you say something doesn’t matter too much when you speednote it, so suffice this for the coming Easter days:

Frohe-Ostern

Vive la resistance!

Heute schon gefastet? Ist ja gar nicht so einfach, wochenlang allen möglichen (süßen) Versuchungen zu widerstehen. Dafür aber ein interessantes Thema, wenn es um bildhafte Sprache geht! Verzichten heißt ja, etwas NICHT zu tun oder zu konsumieren. Und die Negation ist erstmal nicht so leicht zu zeichnen – wenn Menschen aufgefordert werden, „kein Baum“ zu zeichnen, ist das Ergebnis praktisch immer ein durchgestrichener Baum. Wie soll man auch etwas zeichnen, das man nicht sehen kann?

Fasting is a bit like going on a diet – you have to make do without things you normally enjoy. Assuming you are fasting these weeks and resisting (sweet) temptations, you shall at least have a speednote to go with your abstinence. But how to pictorialize the lack of something?

Obviously, you cannot draw something you cannot see. What you can draw, though, are the signs and signals we use to indicate that something is absent. Crosses and lines are such signs: We cross or strike out what is not available or valid, like the cigarette on a NO SMOKING sign.

Das Unsichtbare sichtbar machen – unsere Notizzeichen schaffen das! Es gibt eine ganze Reihe von sichtbaren Zeichen für Nichtvorhandensein, wie die Linien, mit denen wir etwas durchstreichen.

Aber fangen wir vorne an: Was bedeutet Fasten eigentlich? Während einer Fastenzeit wird weniger konsumiert als sonst, das gilt besonders beim Essen. Hierfür haben wir bereits ein universell gültiges Bildzeichen (vgl. „Zwischen den Zeichen“ S. 13 ff.):

Mahlzeit

Starting with the general context, we can use this universal sign for meal, eating (cf. „Between the Signs“ p. 15 ff). For speednoting purposes, we reduce the pictogram to the plate.

Nehmen wir hieraus nur den Teller als Speednote für Essen, Mahlzeit:

Essen

Und jetzt kommt der spannende Teil: Wir können das Zeichen nicht einfach durchstreichen, denn das hieße ja, es gäbe nichts zu Essen. Beim Fasten geht es jedoch um etwas ganz Anderes: Es gibt Nahrung, aber wir leisten uns den Luxus, auf sie zu verzichten. Wir könnten essen, wollen aber nicht.

This is where it get’s interesting: We cannot simply cross out the plate, because that would mean lack of food. Whereas fasting means that we could, but don’t want to eat. Again, we can fall back on a universal sign – knife and fork pointing between 10 and 4 o’clock:

20vor4Stellung

Dies ist die Position des Bestecks auf unserem Teller, mit der wir signalisieren, dass wir nicht mehr essen wollen und der Teller abgeräumt werden kann. Durch Vereinfachung erhalten wir unsere Speednote für das Fasten:

Fasten-Speednote

 

Besides this Lent speednote, here’s the alternative for everyone who is not fasting – enjoy!

Esspause

 

 

 

 

Und hier noch die Speednote für Nicht-Fastende – lasst es euch schmecken!

Guten-Appetit