ding, dong

Proud to be one of the interpreters in charge of simultaneously translating this year’s US presidential inauguration for German TV audiences, I was still rather worried to find out this would include a poem written and read by Amanda Gorman, who in 2017 became America’s first-ever national youth poet laureate.

But then I read what Amanda herself said about her inaugural poem “The Hill We Climb”, that she was encouraged to emphasize unity and hope over declaring “ding, dong, the witch is dead”. Don’t you just love poetry?

Amanda, this one’s for you:

From the witch’s hat

to a speednote for witchcraft

and the witch, which is – ding, dong, gone!

Nimm dies, Virus!

Leider geht dieses Jahr nicht zu Ende ohne Bedarf an einer Lockdown-Speednote – glücklicherweise ist diese aber schnell gefunden, denn die Abriegelung, Sperrung etc. können wir gut mit einer Schranke darstellen:

Alas, we’ve not yet reached a time where this note-taking sign for „lock-down“ is obsolete. On the plus side, it’s a very useful one, because we can draw the barrier across almost anything, speednoting a lock-down of the economy, or the restaurant industry:

Mit Hilfe der Schranke können wir jetzt andere Speednotes ‚abriegeln‘ und so die Beschränkungen für die Wirtschaft oder die Gastronomie notieren. Natürlich auch die für den Einzelhandel oder (hoffentlich nicht nötig!) das ganze Land:

Using the barrier sign, we can – only in note-taking terms, of course – lock down retailers, or even the whole country. But, as you know, speednotes work for practically anything – or against, as the case may be. And now there’s a vaccine, we can lock down what’s been causing us all this trouble in the first place …

Erinnert ihr euch noch an die Virus-Speednote? Nehmen wir einfach unser neues Lockdown-Bildzeichen und versperren dem Übeltäter den Weg, schon haben wir ihn, den „Impfstoff“:

… and get a new speednoting sign to go with the new year!

Wunsch nach Nähe

Auf besonderen Wunsch beschäftigen wir uns heute mit Möglichkeiten, Nähe und Distanz symbolisch darzustellen.

Dank der aktuell geltenden „Abstandsregeln“ ist das ziemlich einfach: Nehmen wir die bekannten, vielfach am Boden markierten 1,5 m Sicherheitsabstand

– das ist im Moment ’normal‘.

„Distanz, Entfernung“ ist somit das, was über den normalen Abstand hinausgeht:

Und – ihr ahnt es schon – „Nähe“ können wir so notieren:

Allerdings eine sehr unromantische Art, so etwas Schönes wie Nähe darzustellen! Daher kommt hier als kuschelige Alternative noch die Wunsch-Speednote zum Sonntag:

LLAP

Stay safe and stay healthy, that is the new standard way of closing messages. Reason enough for our new speednote to be just that: A quick and unequivocal way of saying – or rather, signing – that you wish the other person well.

Well, we’re most lucky here because once upon a time, a famous actor decided to use a hand gesture, originally known as a religious sign, to add a special touch to his character.

„Bleiben Sie gesund!“ – so oft wie in den letzten Wochen haben wir diesen Satz sicher noch nie gehört und gelesen. Der gute Wunsch hat sich damit die heutige Speednote verdient:

Wie immer geht es um eine schnelle, einfache Notiermöglichkeit, im Idealfall ein Bildzeichen, mit dem wir die oben erwähnte Abschiedsfloskel kurz und knapp darstellen können. Ich schwör‘, das ist nicht das erste Mal, dass wir eine solche Speednote auf Grundlage einer bekannten Geste entwickeln:

Live long and prosper!

 

 

Quarantäne

Klingt wie ein zum Koffernamen verkürzter Kultregisseur und ist ungefähr genauso gruselig: Die Quarantäne oder – zum Glück vorübergehende! – Isolierung als Schutz vor Krankheitsverbreitung.

A term that sounds like an iconic director’s name gone portmanteau, and is similarly surreal. However, it’s happening all around us right now, so let’s make the most of it – starting with a brand new speednote:

Quarantine is originally a period of 40 days. This was the term during which arriving ships were held in isolation to prevent diseases from spreading.

Wir beginnen die Entwicklung unseres neuen Notizzeichens mit einem Schiff, denn:

Der Ausdruck „Quarantäne“ leitet sich ab vom lateinischen „quadraginta“ = 40. Und früher waren 40 Tage der übliche Zeitraum, für den Seuchenverdächtige isoliert wurden. In den Zeiten vor Billigfliegen und Meilensammeln galt das vornehmlich für Schiffsreisende; über die Schiffe wurde eine vierzigtägige Hafensperre verhängt.

Ein ganz typisches Merkmal eines Schiffs und daher häufig verwendet als Symbol für Seefahrt ist der Anker:

An anchor is associated with all things nautical, and thus an ideal symbol. We then simplify the pictogram for speednoting purposes:

Wie gewohnt vereinfachen wir das gewählte Symbol, damit das Bildzeichen möglichst schnell abzubilden ist. Diese Schiff(fahrts)-Speednote können wir jetzt nach Belieben variieren, um zum Beispiel das „Anker werfen, Ankommen, an Land gehen“ zu notieren:

As per usual, we can use variations of this sign (see „Between the Signs“ p. 55), like this one for „drop anchor, arrive, land“.

Or the next one as a speednote for „raising anchor, departure“:

Für eine Abreise-Speednote drehen wir den Pfeil einfach um! (vgl. „Zwischen den Zeichen„, S. 53)

Aber zurück zur Quarantäne: Wie oben erläutert steht sie dafür, weder abreisen noch richtig ankommen zu können – das Schiff liegt fest, stellvertretend dafür „legen“ wir den Anker:

And this – an anchor that can neither raise nor drop – is our quarantine speednote. Not too attractive, but certainly practical!

Ohne Potenzial zur Lieblings-Speednote, aber – wat mutt, dat mutt. Ahoi!

Corona-Virus

Tja, da hat man seit Jahren oder gar Jahrzehnten immer brav die Antiviren-Software aktuell gehalten, und dann das – ein echtes Virus legt die ganze Branche lahm.

All these years we’ve been updating our Antivirus Protection, and a whole lot of good it’s doing us now the real thing is here – a parasitic virus, which according to microscopic images looks like a mini caveman’s club gone Death Star.

Ein Virus ist eine Art giftiger Parasit und sieht auf Mikroskopbildern passenderweise aus wie eine Mischung aus Todesstern und Neandertaler-Keule:

Wenn man die kleinen Biester wenigstens mit bloßem Auge erkennen könnte … Aber dafür gibt es ja Speednotes, mit denen wir einfach alles sichtbar machen können!

Here, Speednotes come in handy as always, helping us visualise the normally invisible. We start by simplifying the initial image,

Wie gewohnt vereinfach wir das erste Bild, um den versteckten Giftzwerg

langsam herauszuarbeiten:

and then bring out the Poison Dwarf! Also note, the fang looks like the first letter of the word „virus“, which makes this speednote easy to memorise.

Praktisch als Merkhilfe: Die angedeuteten Giftzähne sehen aus wie der Anfangsbuchstabe der international gebräuchlichen Bezeichnung „Virus“.

Na, und jetzt setzen wir dem Ganzen noch die Krone auf, fertig ist die

Corona-Virus-Speednote

That’s Speednoting 4U – in all its crowning glory!

Dometscherrückgabe

Nach dem Kongress ist vor dem Kongress, deshalb ist es sehr sinnvoll, schon bei Ausgabe der Hörer-Empfänger-Sets (für die Simultanübersetzung) darauf hinzuweisen, dass diese bitte zurückzugeben sind.

Besonders charmant gelingt es hier:

 

 

 

 

 

 

 

 

(please return the translators after each session) (please keep your headphones throughout the whole congress)

Ich gestehe, es erinnert ein bisschen an die Geschirrrückgabe einer Kantine. Leider trägt es außerdem zur Verbreitung der irrigen Annahme bei, man könne Dolmetscher in die Tasche stecken – schließlich wird derzeit überall Werbung für sogenannte „Taschendolmetscher“ gemacht.

Reminds me of a canteen’s „tray return“ – and of what they now advertise as „pocket translators“. Of course, pocket-sized devices for speednoting purposes have been around forever. They’re called „pens“.

Taschengeräte für Speednotes gibt ja schon lange – man nennt sie auch „Stifte“. Den Inhalt liefern wir weiterhin selbst. Zum Beispiel so:

Tasche pocket

 

vereinfacht als Speednote:

 

Und jetzt können wir in die Tasche stecken, was wir wollen, zum Beispiel Taschengeld

pocket money, or a pocket watch

oder eine Taschenuhr.

 

Usw.

Und jetzt versuchen wir es mit dem „Taschendolmetscher“ – eine Speednote für „DolmetscherInnen“ haben wir bereits:

This is our Speednote for „translator, interpreter“. Now, will it fit into the pocket?

Short answer: No.

 

Did you actually think it would? If yes, why don’t you try and let a pocket calculator do your tax return …

Passt nicht! Es wäre ja auch naiv zu glauben, ein Gerät vom Format und Charisma eines Süßstoffspenders könnte einen denkenden Menschen ersetzen. Oder erwarten Sie von einem Taschenrechner, dass er Ihre komplette Steuererklärung erledigt? Eben.

 

Frohes neues Jahrzehnt!

Ich frage mich, wieso eigentlich der Ausdruck „Jahrhundertwende“ vergleichsweise oft auftaucht, obwohl das Ereignis ja eher selten ist … und bemühe eine Internet-Suchmaschine namens „DuckDuckGo“, um herauszufinden, wie es sich mit der viel häufigeren, aber namentlich nie erwähnten „Jahrzehntwende“ verhält. Und was lese ich da als allererstes Suchergebnis? Ein Zitat aus „DIE ZEIT“, Heft Nr. 2/1970, das mir zu denken gibt:

„Bei der Jahrzehntwende müssen die Wahrsager bescheidener sein; sie laufen Gefahr, am Ende des Jahrzehnts noch zu leben.“

Dann sind sie dran, die Hell- und Schwarzseher, Hand-, Karten- und Kaffeesatzleser und sonstigen Propheten! Oder? Vielleicht ist es auch umgekehrt, und die Chance, sich durch zutreffende Vorhersagen mit Ruhm zu bekleckern, ist deutlich größer als bei der Jahrhundertwende.

Aber wieso eigentlich „Wende“?

Das klingt fast, als würde das alte, gebrauchte Jahrhundert auf links gedreht wie ein alter Anzug. Dann hätte nach dem Jahr 2000 wieder 1999 kommen müssen, nur spiegelverkehrt. Mittlerweile hätten wir die Achtziger schon fast wieder überstanden, was zumindest in Sachen Mode nicht unbedingt sooo schlimm wäre …

Stattdessen steht uns ein ganz besonderes neues Jahr ins Haus, denn es ist ein „Schnapszahlendatum“ (nicht ganz exakt nach Defition, denn unsere neue Jahreszahl benötigt zwei verschiedene Ziffern, aber seien wir nicht kleinlich). Also PROST und ALLES LIEBE

 

für die JahrzehntWENDE:

Ein frohes Schnapsjahr!

MEAN MACHINE

Imagine „in the meantime“ was machine translated as if „in the mean time“, resulting in the German „in der gemeinen Zeit“, meaning „during the nasty times“.

Nasty times indeed, when the people relying on that kind of „translation“ are politicians, HR managers, engineers, and otherwise in charge of decisions other humans depend on.

Als Englischdolmetscherin bin ich natürlich Kummer gewöhnt, und Deutsche, die glauben, sie könnten ihre Vorträge „besser“ auf Englisch halten, weil sie „das immer so machen“, gehören zum Arbeitsalltag. Aber jeder Unsinn ist ja noch steigerungsfähig, in der Fremdsprachenbranche neuerdings vor allem dank maschineller Übersetzungen.

So habe ich kürzlich bei der Vorbereitung auf einen Dolmetscheinsatz mehrfach hinschauen müssen, denn auf einer der Präsentationsfolien stand:

„… with in between more than 3000 …“

Na, fällt der Groschen?

Tatsächlich war hier „… mit inzwischen über 3000 …“ gemeint. Nicht, dass das im Deutschen besonders schön formuliert wäre …

Um unseren Speednotes ein solches Schicksal zu ersparen, erstellen wir sie einfach weiterhin manuell statt maschinell, was nicht heißt, dass es keine Maschinen-Speednote geben soll!

Frequently, machine translations are nothing but word-by-word substitutions without any understanding of – well, anything. I’d LOL if it wasn’t so sad … Let’s instead do a speednote for „machine“:

Typically, machines – vending or washing ones, printers or computers – have a box-like shape.

 

Ob Spül- oder Waschmaschine, Süßigkeitenautomat oder Drucker, Maschinen sind üblicherweise kastenförmig.

Der Kasten als offenes Zeichen bietet viele Kombinationsmöglichkeiten (vgl. „Zwischen den Zeichen“ S. 54 ff.), denn wir können weitere Zeichen hineinsetzen.

Pictorials like this have the advantage of offering free space where other signs can be put in (see „Between the Signs„, p. 57).

Durch Kombination ergeben sich dann spezielle Bildzeichen wie dieses für „Reisswolf, Aktenvernichter“ – vielleicht ganz praktisch, wenn mal versehentlich Maschinenübersetzungen ausgedruckt wurden:

shredder

 

Eg, get a speednote for your shredder (which might be useful in case someone accidentally printed a machine translation)!