Herzlich willkommen …

… im Kreise unserer Zeichen! Ich war ja schon stolz, die Einführung einer neuen Währung miterleben zu dürfen, mit der übrigens auch die Einführung eines neuen Zeichens, des €, einherging. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, Jahrzehnte nach Abschluss der Schule (damals noch „Abschluß“ geschrieben) für meine eigene Muttersprache noch neue Buchstaben lernen zu müssen.

Aber jetzt gibt es tatsächlich einen neuen Buchstaben, den wir vom Rat für deutsche Rechtschreibung geschenkt bekommen haben: Das Eszett als Großbuchstaben. Für erforderlich erachtet, weil Namen jetzt in Ausweisdokumenten großgeschrieben werden und manche Leute Großmann und andere Grossmann heißen. Das tapfere ß, das auf der Computer-Tastatur nicht zu den Buchstaben gehören darf, bekommt also Verstärkung, nachdem es 1996 bei der damaligen Rechtschreibreform aus so vielen Wörtern verbannt wurde.

Die Zulassung eines großen Eszett wurde übrigens bereits im 19. Jahrhundert diskutiert. Und wenn wir schon im Land der Dichter und Denker über 100 Jahre für einen einzigen Buchstaben brauchen, muss (früher muß) man sich nicht wundern, dass (früher daß) gewisse Großprojekte (ja, immer noch) einfach nicht abheben wollen.

Schön ist es nicht unbedingt, die Presse (auch früher nicht Preße) beschreibt es als eine Art Kreuzung aus ß und B, und das finde ich schade – wie oft hat man im Leben die Chance, die eigene, lang etablierte Schriftsprache um ein neues Zeichen zu erweitern? Da hätte man doch mehr draus machen können.

Werden jetzt wohl neue Tastaturen hergestellt, um dem ESZETT seinen rechtmäßigen Platz einzuräumen? Oder müssen wir uns neue Zeichensätze installieren und kleine bedruckbare Aufkleber für die neu belegten Tasten kaufen? Was passiert mit den Menschen, die Großmann heißen und sich gerade erst einen neuen Pass (früher Paß) geholt haben, bekommen sie einen neuen, und werden die Gebühren erstattet? Werden teuer gravierte Praxisschilder erneuert und Schulbücher aus dem Verkehr gezogen? Wie sagen wir es den Kindern? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr scheint sich hier das Debakel abzuzeichnen, das beim Milleniumswechsel in dem gefürchteten Ausmaß ausblieb.

Da lobe ich mir meinen Kugelschreiber! Damit lässt sich jede Idee, wie ein Zeichen aussehen könnte, sofort auf das Papier bringen. Zum Beispiel ein Zeichen für scharf, da das Eszett auch „scharfes S“ genannt wird. Vielleicht das, womit so mancher Imbiss (früher Imbiß) auf der Speisenkarte deutlich macht, wenn ein Gericht scharf ist:

oder einfacher

Sieht doch schon fast aus wie ein Buchstabe, in manchen (mir unbekannten) Schriften ist es wahrscheinlich einer, und so bietet es sich wahrlich an als Begrüßungs-Speednote für das „große scharfe S“:

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