Woher kommen Speednotes?

Speednotes gehen zurück auf die sogenannte Notizentechnik, die entwickelt wurde als Hilfsmittel beim zeitversetzten Dolmetschen oder Konsekutivdolmetschen. Dabei wird während eines Vortrags das Gehörte notiert. Anschließend wird das Notierte erneut in einer anderen Sprache vorgetragen.

Die Geburtsstunde der Notizentechnik fiel in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als zahllose mehrsprachige Verhandlungen zu großem Bedarf an Dolmetschleistungen führten und das heute selbstverständlich gewordene Simultandolmetschen noch in den Kinderschuhen steckte. Die damals tätigen Dolmetscher entwickelten eigene, durchaus unterschiedliche Systeme, für alle galt jedoch, dass die Notizen schnell erfassbar sein mussten. „Schnell erfassbar sind hochassoziative Zeichen, deren äußere Form unmittelbar auf ihre Bedeutung schließen lässt.“ (Albl-Mikasa 2007, S. 35) Heinz Matyssek, Dolmetscher und späterer Universitätsdozent, steht dabei stellvertretend für die „sprachunabhängige Notation“. Er forderte „die Abkehr vom Wort als Worthülse, das als solche sich dem Zuhörer nur mechanisch einprägen kann und damit seine sinntragende Strahlkraft verliert“ (Matyssek 2012, S. 37 f.).

Bedingt durch den notwendigen Sprachwechsel muss Notizentechnik sprach- und wortunabhängig funktionieren. Es ist folglich sinnvoll, keine oder möglichst wenige Wörter zu notieren, denn die ausgangssprachlichen Wörter können beim Dolmetschen nicht verwendet werden, die zielsprachlichen Ausdrücke zu notieren erfordert eine Übersetzung schon während des Zuhörens und Notierens. Sprachunabhängige Notizen sind wesentlich hilfreicher, und diese wiederum sind besonders effizient in Form von Bildzeichen.

Quellen:

Albl-Mikasa, Michaela (2007). Notationssprache und Notizentext. Ein kognitiv-linguistisches Modell für das Konsekutivdolmetschen. Tübingen: Gunter Narr Verlag

Matyssek, Heinz (2012). Handbuch der Notizentechnik für Dolmetscher. Ein Weg zur sprachunabhängigen Notation. 2 Teile in einem Band. Unveränderter Nachdruck der 2., überarbeiteten Auflage. Tübingen: Julius Groos Verlag

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